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Hier finden Sie Erhaltungskulturen von 600 Arten in über 3.000 Akzessionen. Zu den 91 fett gedruckten Arten informieren wir ausführlich über Biologie, Kulturansprüche, haltende Gärten/Einrichtungen und Wiederansiedlungen.

Arnica montana (Arnika)

Arnica montana

© B. Biel, Botanischer Informationsknoten Bayern
Der hochauflösende Download ist unter einer Creative Commons Namensnennung zur nicht-kommerziellen Nutzung verfügbar.

Biologie

ArtArnica montana (Arnika)
VerbreitungEuropa, Arealanteil Deutschlands: 10-33% (Arealzentrum) (floraweb.de 2011)
Verbreitungskartein Deutschland: Nationaler Bericht - Bewertung der FFH-Arten (Stand 2007), Nordhalbkugel (Abfrage 17.01.2012}
HöhenverbreitungEbene bis Gebirge, Alpen bis 2070 m (Oberdorfer 1990)
Natürlicher StandortZwergstrauchheiden und Borstgrasrasen (Hauptvorkommen) (floraweb.de 2011); Magerwiesen, -weiden, Heiden, lichte Wälder, Randbereich von Mooren (Sebald et al.); auf frischen (wechselfrischen), nährstoffarmen, ± basenreichen, kalkarmen, sauren, modrig-torfig-humosen Ton- und Lehmböden, auch auf Torf (Oberdorfer 1990)
MykorrhizierungArbuskuläre Mykorrhiza (Harley & Harley 1987a, 1987b, Vergeer et al. 2006)
Beschreibung der Pflanze20-60 cm, Stg einf. od. wenigästig, mit 1-2(-3) gegenstdgn Blattpaaren, Grundblätter meist rosettig, elliptisch, ganzrandig, Köpfchen 6-8 cm Durchmesser, dkl dottergelb, Blütenkopfboden behaart (floraweb.de 2011); mit Rhizomen, die in Brachflächen vertikal, in Weiden dagegen horizontal ausgerichtet sind (Schwabe 1990b)
LebensformHemikryptophyt (floraweb.de 2011) (biolflor.de 2011); Halbrosettenpflanze, sommergrün (floraweb.de 2011); mit Speicher-Rhizomen (Dietrich 2011)
Lebensdauerausdauernd (plurienn-pollakanth) (biolflor.de 2011); viele Jahre bei entsprechender Feuchte des Bodens (BG Rostock: D. Götze); Rosetten sterben oft nach der Blüte ab (Vergeer et al. 2005)
Samenbanktransient (BioPop, nach bayernflora.de 2012); weder vegetative noch generative Diasporenbank konnte beobachtet werden, allerdings waren vergrabene Samen noch nach 8 Monaten keimfähig (Kahmen & Poschlod 1998); Samen sind nicht dormant und bilden keine Samenbank (Schwabe 1990b, Vergeer et al. 2005)
BlütezeitJuni–Juli (biolflor.de 2011); Mai-Juli (August) (Sebald et al.)
Bestäubung durchin der Regel Insekten (floraweb.de 2011, biolflor.de 2011); nach Beobachtungen von Luijten et al. (2000) hauptsächlich Schwebfliegen; Selbstbestäubung bei ausbleibender Fremdbestäubung, sonst xenogam (biolflor.de 2011)
Kompatibilität± selbstinkompatibel (biolflor.de 2011); weitgehend selbstinkompatibel (Luijten et al. 1996)
Blütenbiologiegynomonözisch (biolflor.de 2011)
PloidieDiploid, 2n=38 (biolflor.de 2011); 2n=36,38 (Oberdorfer 1990)
FruchtNuss (biolflor.de 2011)
SamenreifeAugust-Oktober (wikipedia 2012); Ende Juli-Anfang August (Hegi 1987, zit. nach Kahmen & Poschlod 1998); Juli (BG Rostock: D. Götze)
Samengröße5,7 x 0,9 x 0,6 mm (biolflor.de 2011)
Samengewicht1,5 mg (biolflor.de 2011)
SamenmorphologieFrucht mit Zusatzbildung, nicht heteromorph (biolflor.de 2011); Früchte 5 mm lang, auf beiden Seiten zugespitzt, kurzhaarig (Hegi 1987)
SamenausbreitungWind (floraweb.de 2011); Zufallsereignisse über Weidetiere (Düll & Kutzelnigg 1992, zit. nach Kahmen & Poschlod 1998)
ReproduktionSamen und vegetativ, Samenproduktion sexuell, amphimiktisch, vegetativ: Rhizom (biolflor.de 2011); Luijten et al. (1996) fanden in dichten Beständen (dense clusters) innerhalb eines 100 qm-Plots oft identische Genotypen, in offeneren Beständen (open clusters) mehrere verschiedene Genotypen; sowohl für Keimung und Keimlingsetablierung als auch für die Bildung vegetativer Tochterrosetten auf Lücken in der Grasnarbe angewiesen (Schwabe 1990b)
Gefährdungzentral-europaweit ungefährdet (floraweb.de 2011)
Rote Liste Deutschland3 (gefährdet) (floraweb.de 2011)
GefährdungsursachenEutrophierung von Böden durch Düngereintrag, Verbuschung von Magerrasen, Aufforstung von Magerrasen, Eutrophierung von Böden durch Immissionen (floraweb.de 2011); Intensivierung der Landwirtschaft und Lebensraumzerstörung (Kahmen & Poschlod 1998)
Pflegemaßnahmenkeine Verwendung von Kunstdünger, keine Kalkung, Mahd nach Samenreife und Aussamen, jedoch nicht zu spät, evtl. Wechsel von früher und späterer Mahd, um Verfilzungen und Nährstoffanreicherung zu vermeiden, ggf. Nachweide oder auch frühe extensive Beweidung zur Schaffung von Bodenverwundungen, Schlegelmahd, jedoch nur auf Teilflächen (Kahmen & Poschlod 1998); im Schwarzwald wird sehr extensive Rinderbeweidung (0,7 GVE/ha) durch lokale Rassen oder Mahd empfohlen (Schwabe 1990b)
Schutzstatusbesonders geschützt (floraweb.de 2011)
VerantwortlichkeitDeutschland hat große Verantwortlichkeit (Welk 2002, floraweb.de 2011)
SonstigesVersuche in Frankreich und Deutschland, Arnica montana ökonomisch anzubauen, sind nicht gelungen (Cambornac 1999); der Anbau von A. chamissonis subsp. foliosa ist dagegen erfolgreich, diese Art kann von den Inhaltsstoffen her als Alternative für A. montana gelten (Cambornac 1998); Ausbreitungsdistanz gering, Luijten et al. (1996) fanden Keimlinge nur innerhalb der Bestände oder in unmittelbarer Umgebung; geringe Ausbreitungs-Distanzen von wenigen Metern (Strykstka 1998, zit. nach Kahmen & Poschlod 1998); eines der am häufigsten verwendeten Phytotherapeutika (besonders Blüten), wurde früher dem Schnupftabak zugesetzt und als Kräutertabak geraucht, schwach giftig durch Sesquiterpenlactone, Pflanze des Jahres 1986, Arzneipflanze des Jahres 2001 (Dietrich 2011); wenn man zur Heiderestitution plaggt, entfernt man auch die Mykorrhiza-Sporen großteils, die für die Etablierung von Arnica-Jungpflanzen wichtig sind (Vergeer et al. 2006); Plaggen wird dennoch zur Wiederansiedlug empfohlen, zusammen mit initialer Kalkung (gegen zu sauren und eutrophierten Boden, van den Berg et al. 2003) und der Verwendung von Samen mehrerer Mutterpflanzen oder mehrerer Herkünfte (Vergeer et al. 2005); wird von Rindern sorgfältig gemieden (Schwabe 1990b)

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Kulturansprüche

ArtArnica montana
Kulturaufwändig
Wasserbedarf:feuchter Boden (Gartendatenbank 2012, Cheers 2003, Brickell 2000); während des Hauptwachstums stets gleichmäßig feucht (Jelitto 1990); trocken bis mittelfreuch/frisch (LLUR 2008); Frühjahr feucht, im Sommer mäßig feucht, Herbst kann rel. trocken sein (BG Rostock: G. Neubert)
Nässeempfindlichkeit:keine Staunässe (Gartendatenbank 2012); guter Wasserabzug (Cheers 2003, Brickell 2000, Phillips & Rix 1991); Keine Staunässe! (BG Rostock: G. Neubert)
Dürreempfindlichkeit:in der Wachstumszeit hoch (Jelitto 1990); Trockenheit schadet immer, besonders während der Vegetationsperiode (BG Rostock: G. Neubert)
pH-Spezifik:kalkfreier Boden (Gartendatenbank 2012); sehr kalkempfindlich, Boden und Wasser kalkfrei (Jelitto 1990); kein Kalk (Köhlein 1992); saure, kalkfreie Böden (LLUR 2008); leicht sauer (BG Rostock: G. Neubert)
Substratspezifik:humusreich (Cheers 2003); am besten in reinem Torf oder kalkfreier Moorerde (Jelitto 1990); humos (Brickell 2000); sauerer Rohhumus (Köhlein 1992); sandige oder torfige Böden (Phillips & Rix 1991); Mischung aus Lehm, Torf und Sand (Grieve 1931); Sandböden (LLUR 2008); humoser Niedermoorboden (BG Rostock: G. Neubert); Humuswurzler (Oberdorfer 1990); Pikieren in 1:2 Topferde-Sand-Mischung (Vergeer et al. 2005)
Nährstoffbedarf:nährstoffarmer Boden (Gartendatenbank 2012); gering (BG Rostock: G. Neubert)
Nährstoffempfindlichkeit:sehr hoch (Jelitto 1990); kein nährstoffreicher Gartenboden (Köhlein 1992); N und K-empfindlich (BG Rostock: G. Neubert); düngerfeindlich (Oberdorfer 1990)
Temperaturansprüche:im Tiefland aus Klimagründen anfällig für Spätsommerfäule (Cheers 2003)
Lichtbedarf:volle Sonne (Gartendatenbank 2012, Cheers 2003, Jelitto 1990, Phillips & Rix 1991); leicht beschattet, also nur Früh- und Vormittagssonne (Jelitto 1990); Volllichtpflanze (LLUR 2008); sonnig, mindestens hell ! (BG Rostock: G. Neubert)
Schädlingsprobleme:Raupen und Schnecken möglich (Brickell 2000); Schneckenfraß ! (BG Rostock: G. Neubert); bei Schnecken sehr beliebt (Scheidel & Bruelheide 1999a, b)
Vermehrung durch:Aussaat oder Teilung im Frühling oder nach der Blüte, beides leicht (Gartendatenbank 2012); Aussaat oder Teilung (Cheers 2003); Aussaat am besten, mit frischen Samen gleich nach Reife oder im nächsten Frühjahr (Jelitto 1990); Teilung im Frühjahr (Brickell 2000, Grieve 1931); Generativ und vegetativ (BG Rostock: G. Neubert)
Keimungsansprüche:im Herbst in kalten Kasten säen (Brickell 2000); im Vorfrühling in kalten Kasten säen (Grieve 1931); Arnika-Samen keimen schon kurze Zeit nach der Aussaat, verlieren ihre Keimfähigkeit aber schnell bei längerer Lagerung, sie sollten also möglichst bald nach der Ernte im Hochsommer in das sandige kalkarme Pflanzsubstrat gesetzt und feucht gehalten werden, es empfiehlt sich ein Pflanzabstand von 2-3 cm, damit die auflaufenden Jungpflanzen genügend Platz zum Entwickeln haben (LLUR 2008); gleichmäßig feucht, nicht austrocknen lassen, nicht zu warm (temperiert) (BG Rostock: G. Neubert); 16/8 h Tag-Nacht-Regime bei 25°/20°C im Glashaus (Vergeer et al. 2005); bei zu saurem Boden wird die Keimung durch Aluminium-Toxizität gehemmt, was durch Zugabe von Huminsäuren oder Kalkung aufgehoben werden kann (van den Berg et al. 2003)
Keimungszeit:ca. 3-4 Wochen (BG Rostock: G. Neubert)
Hybridisiert mit:keine Angabe
Kritische Lebensphasen:generell kurzlebig in Kultur (Jelitto 1990); im Garten nicht dauerhaft zu halten (Köhlein 1994)
SonstigesKontakt mit Saft der Pflanze kann Allergien verstärken, Verzehr ruft Übelkeit hervor (Brickell 2000); Kultur in vielen Gärten schwierig (Köhlein 1994); Mittlerweile ist der Anbau der Arnika durch eine neue Sortenzüchtung grundsätzlich möglich, Prof. Bomme (Weihenstephan) und Prof. Galambosi (Finnland) haben erfolgreich Kulturen angelegt und Kultivierungsvorgaben erarbeitet (Lange 1998); Jungpflanzen im Mai auspflanzen (Grieve 1931)

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Haltende Gärten / Einrichtungen

1.) Garten Barth

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
n.a.12015Deutschland, Mecklenburg Vorpommern, LK Vorpommern-Rügen

2.) Botanische Gärten Bonn

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-BONN-1632022001Nordrhein-Westfalen, Wahner Heide
DE-0-BONN-3622022014Nordrhein-Westfalen, Bonn, Kottenforstam Herkunftsort 2014, 2015

3.) Botanischer Garten der Technischen Universität Dresden

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-DR-00050221994Sachsen, Mittl. Erzgebirge

4.) Botanischer Garten des Karlsruher Instituts für Technologie

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-UNKAR-2012-2912006Baden-Württemberg, Herrenwies/Schwarzwald

5.) Nagola Re GmbH

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
113122014Deutschland, Brandenburg, LK Elbe-Elster
113022014Deutschland, Brandenburg, LK Spree-Neiße

6.) Botanischer Garten der Universität Potsdam

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-1-POTSD-2011-176322011Brandenburg, Lauchhammer
DE-1-POTSD-2014-121122014Deutschland, Brandenburg, LK Oberspreewald-Lausitz, Lauchhammer

7.) Botanischer Garten der Universität Regensburg

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
k.A.12014Bayern, Schwandorf, Teublitz

8.) Botanischer Garten der Universität Rostock

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-ROST-2009-W-922009Mecklenburg-Vorpommern, Neeser Moor Kolbow
DE-0-ROST-2009-W-1122011Mecklenburg-Vorpommern, Neeser Moor Kolbow

9.) Stadtgärtnerei Straubing

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
k.A.1k.A.Bayern, Bischofsmais
k.A.1k.A.Bayern, Regen, ArberBayern, Arber
k.A.1k.A.Bayern, Kelheim, PaintenBayern, Painten

10.) Botanischer Garten der Universität Würzburg

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-WURZB-14-140-K-10i2014Spessart, Rechtenbach
DE-0-WURZB-14-139-K-10i2014Spessart, Hafenlohrtal
DE-0-WURZB-14-141-K-10i2014Lange Rhön

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Wiederansiedlung Arnica montana (Arnika)

Wiederansiedlungen in S-Brandenburg mit aus autochthonen Wildsamen im BG Potsdam aufgezogenen Pflanzen sind für Herbst 2012 vorgesehen (BG Potsdam: M. Burkart).

Ein Projekt im Rahmen des Bundesprogrammes Biologische Vielfalt will auf den Waldwiesen des Rehauer Forstes und im nördlichen Fichtelgebirge (Bayern) den Rückgang der Arnika stoppen und sie regional wieder als Heilpflanze nutzbar machen.

Arnica montana wird in Borstgrasrasen und Magerwiesen im nördlichen Fichtelgebirge (Bayern) durch Aussaat frisch geernteter Samen an durch Abplaggen neu geschaffene Standorte angesiedelt. Der Projekt-Fortschritt wird regelmäßig auf der Webseite dokumentiert.

Der botanische Garten Bonn hat 2014 und 2015 Wiederansiedlungsprojekte am Herkunftsort durchgeführt.

Die Art wurde aus den Erhaltungskulturen der Stadtgärtnerei Straubing in Bayern bei Arber und Painten bis 2015 ausgepflanzt (M. Scheuerer).


Arten:  A| B| C| D| E| F| G| H| I| J| K| L| M| N| O| P| Q| R| S| T| U| V| W| X| Y| Z

 

Online: http://www.ex-situ-erhaltung.de/pflanzenarten/a/arnica-montana/ [Datum: 19.11.2017]
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