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Hier finden Sie Erhaltungskulturen von 600 Arten in über 3.000 Akzessionen. Zu den 91 fett gedruckten Arten informieren wir ausführlich über Biologie, Kulturansprüche, haltende Gärten/Einrichtungen und Wiederansiedlungen.

Antennaria dioica (Katzenpfötchen)

Antennaria dioica

© S. Hollinger, Botanischer Informationsknoten Bayern
Der hochauflösende Download ist unter einer Creative Commons Namensnennung zur nicht-kommerziellen Nutzung verfügbar.

Biologie

ArtAntennaria dioica (Gewöhnliches Katzenpfötchen)
VerbreitungEuropa, Asien, Arealanteil Deutschlands weniger als 10 % (Hauptareal) (Floraweb.de 2011)
Verbreitungskarteglobal: Meusel & Jäger (1992); in Deutschland: biolflor.de 2011
Höhenverbreitungplanar-collin (Flach- und Hügelland) oder indifferent (floraweb.de 2011); montane bis subalpine Höhenlagen, im Norden des Verbreitungsgebiets vorrangig planar (Rosche 2011)
Natürlicher StandortZwergstrauchheiden und Borstgrasrasen (Hauptvorkommen), Trocken- und Halbtrockenrasen (Nebenvorkommen) (floraweb.de 2011); auf mäßig frischen, ± basenreichen, meist kalkarmen, neutral bis mäßig sauren, modrig bis torfig bis humosen, sandigen Lehmböden (Oberdorfer 1990); nach Schwabe (1990) eignet sich die Art als Monitor-Organismus für N-Dünger-freie Bewirtschaftung, bei geringer Intensitätssteigerung von Rinderbeweidung geht Antennaria zurück, ebenso bei Bracheentwicklung (ebda.); mannigfaltige Standorte (Linkola & Tiirikka 1936 zit. nach Rosche 2011) mit großer Variation der Amplituden von Bodenfeuchte und pH-Wert (33 Populationen in verschiedenen deutschen Bundesländern und Tschechien, Schrieber 2011); helle und nährstoffarme Habitate (Rosche 2011); prozentualer Anteil an carpellaten Patches in Habitaten mit besserer Nährstoffversorgung und geringerem interspezifischen Konkurrenzdruck signifikant höher (Schrieber 2011); in Hydrokulturversuchen war das Überleben von A. dioica durch niedrigen pH-Wert in Kombination mit hohen Ammoniumkonzentrationen eingeschränkt, Biomasse nahm mit zunehmender Ammoniumkonzentration und abnehmenden pH-Werten ab, der interne pH-Wert nahm mit zunehmender Ammoniumkonzentration ab (van den Berg et al. 2005); die Art bevorzugt niedrige NH4+/NO3- Verhältnisse und zeigt eine negative Korrelation zwischen NH4+/NO3-Verhältnis und Biomasse und Überleben, Kalkung konnte die negativen Effekte dieser hohen NH4+-Deposition ausschalten (Heideland Niederlande, van den Berg et al. 2008).
MykorrhizierungArbuskuläre Mykorrhiza (Harley & Harley 1987a, 1987b); Glomus claroideum (Varga & Kytöviita 2008); weibliche Individuen unter kontrollierten Versuchsbedingungen stärker mykorrhiziert (Varga & Kytöviita 2011); die arbuskuläre Mykorrhiza nahm im Herbst stark ab, während Ascomyceten zunahmen (Santos-González et al. 2007).
Beschreibung der Pflanze5-25 cm, Pfl mit oberirdischen Ausläufern, rosettenbildend, Blätter graufilzig, oberseits verkahlend, untere br spatelfg, obere schmal lanzettl., Köpfchen zu 3-12, doldig gehäuft, Hüllblätter mit weißl. (bei männl. Pfl, slt bei weibl.) od. rosa bis dklrotem Anhängsel (bei weibl. Pfl) (floraweb.de 2011); Halbrosettenpflanze, spatelfg Rosettengrundblätter 20-35 mm lg, bis 8 mm breit, Stengelblätter schmal-lanzettlich (7-13 mm lg, etwa 5 mm breit) sitzen an den 5-20 (30) cm langen Blühtrieben (Wagenitz 1979 zit. nach Rosche 2011); Blattbehaarungs-Dimorphismus (Blätter beidseitig stark filzig grau behaart oder oberseits verkahlend) (Beck 1893 zit. nach Rosche 2011); nach Jäger (2005) verkahlen die Pfl im Alter (zit. nach Rosche 2011); nach Schwabe (1990) zeigt die Art zwei verschiedene Wuchsformen, an offenen Stellen bildet die Pflanze plagiotrop wachsende Stolonen (bis zu 5 Rosetten im Jahr pro Altrosette), in höherwüchsigen Brachen wachsen die Stolonen orthotrop und bilden einen Rosettenschopf mit begrenztem Wachstum.
LebensformChamaephyt (floraweb.de 2011); Hemikryptophyt, immergrün (Rosche 2011)
Lebensdauerausdauernd (plurienn-pollakanth) (biolflor.de 2011)
Samenbanktransient (BioPop, zit. nach Bayernflora.de 2011); keine persistente Diasporenbank, da die Samen maximal zwei bis drei Jahre lebensfähig bleiben können (Vogler 1901 und Schütz 1989, beide zit. nach Rosche 2011); keine Samenbank (Schwabe 1990)
BlütezeitMai-Juni (biolflor.de 2011)
Bestäubung durchInsekten (biolflor.de 2011); vor allem Falter, Schwebfliegen, Grabwespen (Knuth 1898 zit. nach Rosche 2011); evtl. auch Ameisen (Brehm, pers. Mitt. in Rosche 2011)
Kompatibilitätselbstkompatibel (www.pfaf.org 2012)
BlütenbiologieDiözisch (biolflor.de 2011); seltener sind zwittrige Blüten zu finden (Rosche 2011); Ubisch (1930, 1936) beschreibt zahlreiche Formen und Übergänge (zit. nach Rosche 2011); weibliche Patches weisen einen höheren Anteil blühender Rosetten und höhere Infloreszenzen auf (Schrieber 2011).
PloidieTetraploid, 2n=28 (biolflor.de 2011); 2n=4x7 (Juel 1900 und Bergman 1935, beide zit. nach Rosche 2011); 2n=14 (Oberdorfer)
FruchtNuss (biolflor.de 2011); Achäne (Rosche 2011)
Samenreifenatürliche Ausbreitung beginnt im frühen bis mittleren Juli (Grünland in Schweden mit ca. 1000jähriger Beweidungsgeschichte, Eriksson 1997); Achänen sind bei vollständiger Samenreife bräunlich bis schwarz und lassen sich leicht vom Körbchenboden lösen (Schrieber 2011)
Samengröße1,3 mm (Fruchtlänge) (biolflor.de 2011)
Samengewicht0,1 mg (Frucht) (biolflor.de 2011); durchschnittliches Tausendkorngewicht: 0,05 g (Royal Botanic Gardens Kew 2012)
SamenmorphologieFrucht, nicht heteromorph (biolflor.de 2011);
SamenausbreitungSelbst (floraweb.de 2011); anemochor (Rosche 2011)
Reproduktionklonal: oberirdisch gebildete 2-5 cm lange Ausläufer können Wurzeln hervorbringen und vegetativ neue Rosetten generieren (Kutschera & Lichtenegger 1992, Jäger 1957, beide zit. nach Rosche 2011); generativ: Grad der Pollenlimitierung nimmt zu bei stark unausgeglichenen weiblich dominierten Geschlechterverhältnissen (Öster & Eriksson 2007); geringer Fruchtansatz (Schrieber 2011); sehr stark abweichende Keimraten zwischen Samen unterschiedlicher Populationen (Schwabe 1990 und Söyrinki 1954, beide zit. nach Rosche 2011); teilweise sehr geringe Keimraten (Schwabe 1990, Schrieber 2011, Öster & Eriksson 2007); sehr seltene Keimlingsetablierung (Eriksson 1997, Rosche 2011, Schrieber 2011); diese ist neben der Samenverfügbarkeit von der Verfügbarkeit geeigneter Mikrohabitate abhängig (Öster & Eriksson 2007); Keimlingsetablierung kann durch Entfernen der vorhandenen Vegetation gefördert werden (Eriksson 1997); auch im Feld kaum etablierte Keimlinge bei hohen Keimraten (Perttula 1941 und Fossati 1980, beide zit.nach Rosche 2011); Fitness sensitiv gegenüber Verlusten genetischer Variabilität, bewirkt schlechtere Reproduktion (Rosche 2011); weibliche Patches wiesen, im Vergleich zu den männlichen, eine stärker ausgeprägte reproduktive Fitness und ein intensiveres vegetatives Wachstum auf (Schrieber 2011); unausgeglichene Geschlechterverhältnisse in kleinen Populationen führen bei hohem Isolationsgrad wahrscheinlich dazu, dass sexuelle Reproduktion nicht stattfindet (Schrieber 2011)
GefährdungZentral-europaweit ungefährdet (floraweb.de 2011)
Rote Liste Deutschland3+ (gefährdet) (floraweb.de 2011)
GefährdungsursachenEutrophierung von Böden durch Düngereintrag, Eutrophierung von Böden durch Immissionen (floraweb.de 2011); Aufgabe traditioneller Nutzung durch extensive Beweidung, Baumaßnahmen und die damit verbundene Fragmentierung des Lebensraumes (Blachnik 2009 zit. nach Rosche 2011); Eutrophierung (Bobbink et al. 1998 zit. nach Rosche 2011)
PflegemaßnahmenRosche (2011) empfiehlt populationsgenetisch bedachte Managementmaßnahmen, evtl. Ansalbungen und artifizieller Genfluss erforderlich; Schrieber (2011) hält Ansalbungen für erforderlich, um das Aussterben kleiner eingeschlechtlicher Populationen zu verhindern; die Art reagiert empfindlich auf interspezifischen Konkurrenzdruck (Schrieber 2011), die 33 dafür untersuchten Populationen unterlagen einem unterschiedlichen Management von keinen Pflegemaßnahmen bis zu Beweidung mit Schafen, Ziegen und Rindern in Umtriebs-, Hute-, Stand-, und Staffelweideform, Mahd, Gehölzentfernung, Plaggen, Brennen, mechanische Bodenverwundung; als sehr erfolgreich beschreibt Schrieber (2011) ein kompliziertes Umtriebsbeweidungsverfahren, bei dem nacheinander alle Teilflächen in jeweils einem Tag von einer gemischten Herde aus Schafen und Ziegen gründlich abgefressen werden und der Boden verwundet wird; dieses Verfahren wird am Oderberg bei Mallnow 3-4x/a durchgeführt (Schrieber 2011).
Schutzstatusbesonders geschützt (floraweb.de 2011)
VerantwortlichkeitDeutschland hat geringe Verantwortlichkeit (Welk, 2002) (floraweb.de 2011)
SonstigesSamen sexuell gebildet (Urbanska 1985 zit. nach Rosche 2011)

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Kulturansprüche

ArtAntennaria dioica
Kulturaufwändig
Wasserbedarf:angewachsene Pflanzen nicht gießen (Gartendatenbank 2012); mäßig (BG Dresden: B. Ditsch)
Nässeempfindlichkeit:ja: verlangt trockene Böden (Jelitto 1990, Angaben nur zur Gattung); trockener Boden (Köhlein 1994); gut wasserdurchlässig (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung)
Dürreempfindlichkeit:trockentolerant (PFAF 2012)
pH-Spezifik:sauer-humos (Jelitto 1990); sauer (BG Dresden: B. Ditsch)
Substratspezifik:sauerhumoser, sandiger Lehmboden (Köhlein 1994); feuchter, sandiger Boden (BG Dresden: B. Ditsch)
Nährstoffbedarf:gering (Jelitto 1990, BG Dresden: B. Ditsch); mäßig fruchtbarer Boden (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung); nährstoffarmer Boden (Gartendatenbank 2012, PFAF 2012)
Nährstoffempfindlichkeit:angewachsene Pflanzen nicht düngen (Gartendatenbank 2012)
Temperaturansprüche:voll frosthart bis -15°C (Brickell 2000); anspruchslos, nicht zu warm (BG Dresden: B. Ditsch)
Lichtbedarf:volle Sonne (Jelitto 1990; Cheers 2003; Brickell 2000, Angaben jeweils nur zur Gattung); volle Sonne (Gartendatenbank 2012; PFAF 2012); Sonne (BG Dresden: B. Ditsch); gedeiht auch noch absonnig (Köhlein 1994)
Schädlingsprobleme:keine (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung)
Vermehrung durch:Teilung und Aussaat (Jelitto 1990, Angaben nur zur Gattung); vegetative Ausbreitung durch oberirdische, beblätterte Triebe (Köhlein 1994; Cheers 2003); Samen in Frühling oder Herbst in Töpfen im offenen Kasten säen, bewurzelte Sprosse im Frühling abnehmen (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung); im Frühling bei Austriebsbeginn oder nach der Blüte teilen, bewurzelte Ausläufer abteilen oder Samen aussäen im Frühling, alles leicht (Gartendatenbank 2012); Teilung (Ausläufer), Pflanzen zweihäusig (BG Dresden: B. Ditsch)
Keimungsansprüche:keine Angabe
Keimungszeit:keine Angabe
Hybridisiert mit:keine Angabe
Kritische Lebensphasen:keine Angabe
Sonstiges-

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Haltende Gärten / Einrichtungen

1.) Ökologisch-Botanischer Garten der Universität Bayreuth

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-BAYRT-15081532015Bayern, Oberpfalz, Naturpark SteinwaldWiederansiedlung geplant für 2016 und ff.
DE-0-BAYRT-15090732015Bayern, Kronach, FrankenwaldWiederansiedlung 2016 geplant
DE-0-BAYRT-15090832015Bayern, FrankenwaldWiederansiedlung 2016 geplant
DE-0-BAYRT-15090932015Bayern, Kronach, FrankenwaldWiederansiedlung 2016 geplant

2.) Arktisch-Alpiner Garten Chemnitz

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
AC-189312004Sachsen, ZöblitzErsatzstandorte in unmittelbarer Nähe des Ursprungsstandorts sowie NSG "Callenberg Nord II"www.arktisch-alpiner-garten.de/artenschutz-Besiedlung%20potenziell.htm
AC-189212004Sachsen, ZöblitzErsatzstandorte in unmittelbarer Nähe des Ursprungsstandorts sowie NSG "Callenberg Nord II"www.arktisch-alpiner-garten.de/artenschutz-Besiedlung%20potenziell.htm

3.) Stadtgärtnerei Straubing

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
k.A.1k.A.Bayern, Freyung-Grafenau, Bischofsreut

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Wiederansiedlung Antennaria dioica (Gewöhnliches Katzenpfötchen)

Die Art wurde aus den Erhaltungskulturen des Arktisch-Alpinen Gartens Chemnitz in unmittelbarer Nähe des Ursprungsortes in Sachsen bei Zöblitz sowie im NSG „Callenberg Nord II“ wieder ausgebracht (www.arktisch-alpiner-garten.de/artenschutz-Besiedlung%20potenziell.htm). Der Ökologisch botanische Garten der Universität Bayreuth plant eine Wiederansiedlung für das Jahr 2016 (M. Lauerer).


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Online: http://www.ex-situ-erhaltung.de/pflanzenarten/a/antennaria-dioica/ [Datum: 25.09.2017]
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