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#1 02.08.2012 10:03

Michael Burkart
Moderator
Registriert: 02.08.2012

Wiederansiedlung

Wir sind gespannt auf die Beiträge.

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#2 13.08.2012 18:16

Andreas Ziemer
Mitglied
Registriert: 02.08.2012

Re: Wiederansiedlung

Im folgenden eine Zusammenfassung über die Wiederansiedelung von
Lungenenzian auf einem Standort im Havelland:

Flächengröße ca. 1 ha, magerer Bereich mit Lungenenzian und Orchideen (D. majalis) < 5000 m²; bis 2006 wurde eine Mahd pro Jahr durchgeführt, zu diesem Zeitpunkt dominieren bereits die Hochstauden; 2006 waren ca. 350 Sprossachsen mit Blüten (ca . 100 Pflanzen) vorhanden, 2006 wurde Samen entnommen und die Erhaltungskultur begonnen; seit 2007 blühen nur wenige Altpflanzen; bis Anfang August 2012 waren noch keine blühenden Altpflanzen vorhanden

2011 wurden 26 mehrjährige zuzüglich einjährige Pflanzen aus der Erhaltungskultur gepflanzt; 2012 wurden 17 Pflanzen aus der Erhaltungskultur gepflanzt; bis Mai 2012 sehr gutes Wachstum, ab Juni starker Verbiss durch Nacktschnecken; bis August 2012 waren nur 5 blühende Pflanzen aus der Anpflanzung vorhanden, in der ex-situ Erhaltungskultur gibt es dagegen keine Verluste; seit 2007 werden Teilbereiche bis zu 3x im Jahr gemäht, Mahdbeginn ist dabei Anfang Mai, im Ergebnis konnten die Hochstauden zurück gedrängt werden, der Orchideenbestand erhöhte sich von ca. 150 (Anfang 2000) auf 1280 blühende Exemplare in 2012.

Gibt es weitere Erfahrungen mit Lungenenzian, insbesondere im Zusammenhang mit Schneckenfrass?

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#3 17.07.2014 11:58

ThBudich
Mitglied
Ort: Lübben-Spreewald
Registriert: 17.07.2014
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Re: Wiederansiedlung

Hallo Herr Ziemer!

Andreas Ziemer schrieb:

Im folgenden eine Zusammenfassung über die Wiederansiedelung von
Lungenenzian auf einem Standort im Havelland:
Flächengröße ca. 1 ha, magerer Bereich mit Lungenenzian und
...
Gibt es weitere Erfahrungen mit Lungenenzian, insbesondere im Zusammenhang mit Schneckenfrass?

Wollen Sie Kräuterschnaps fertigen? (bei den Arten... ;-)

Zu den Kräutern:
In meinem kleinen Wildniss-botanischen-Garten stellte ich fest, dass man erst nach 3-5 Jahren weiss ob die jeweilige Pflanze einen guten Standort hat. So gibt es eben, gute und schlechte Jahre, mehr oder weniger Pflege bzw. Beeinträchtigung durch andere Gewächse.

Lungen-Enzian * Gentiana pneumonanthe hatte ich noch nicht, aber den Gelbe Enzian * Gentiana lutea testete ich. Wie zu erwarten gestaltet sich dies ohne Herstellung eines adäquaten Standortes schwierig.

Zudem stellte ich fest das viele (seltene) Pflanzen stark von diversen Gräsern beeinträchtigt werden. Mähen hilft dabei nicht. Auch das Feuchtigkeitsangebot ist nicht so ausschlaggebend.

So manche Pflanze benötigte einen gut"bereinigten" Boden, auch sandig, um sich zu etablieren. Wenn man dann noch weiss welche Pflanzengesellschaft benötigt wird, und diese herstellen kann und möchte, wird der Bestand stabilisiert. Allerdings ist es dann oft kein Vorzeigegarten ;-)


--
Mit freundlichen Grüßen, Thomas B.

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#4 27.12.2014 13:00

Naturgarten Hotzenwald
Mitglied
Registriert: 25.12.2014

Re: Wiederansiedlung

Diese Wiederansiedlungsprojekte erscheinen mir ziemlich planlos. In der Schweiz werden Merkblätter (Kennzeichnung der Art), Aktionspläne mit vordefinierten Zielen und Umsetzungpläne gefordert. Gibt es so etwas nicht in Deutschland ? Wo ist die Verknüpfung der in-Situ Projekte mit den ex-Situ Projekten. Aus meiner Sicht kann man dies noch nicht sehen. Danke für die Auskunft. Mich interessiert vor allem Anagallis tenella, da diese Pflanze bei uns in Rickenbach ihr letztes aktuells Vorkommen haben soll (Naturschutzgebiet Oberer Schwarzenbach).
Gruss aus dem Hotzenwald

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#5 27.12.2014 13:01

Naturgarten Hotzenwald
Mitglied
Registriert: 25.12.2014

Re: Wiederansiedlung

Sorry - letztes Vorkommen im Hotzenwald. Es gibt ja noch das in Salzkotten in Westfallen.

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#6 22.11.2015 10:18

Axel Schönhofer
Mitglied
Registriert: 22.11.2015

Re: Wiederansiedlung

Hallo zusammen,
Ich ziehe seit 20 Jahren Gentiana pneumonanthe des letzten Vorkommens in Rheinhessen, an dem er jetzt auch langsam verschwindet. Auf der hessischen Rheinseite existiert dagegen eine stabile Population. Dort erkennt man zwei Muster. Einerseits vereinzelt kräftige, vieltriebige Altpflanzen innerhalb anderer Hochstauden und dichter Vegetation. Zum anderen eine sich verjüngende Population innerhalb schütterer Pfeifengraswiesen.

Meiner Erfahrung nach benötigt G. pneumonanthe wahrscheinlich etwa drei Jahre Entwicklungszeit zum Erreichen einer konkurrenzfähigen Größe. Im ersten Jahr bildet sich lediglich eine winzige, etwa 2-3 cm breite Bodenrosette. Im zweiten Jahr bildet sich ein einzelnes Stämmchen von vielleicht 5-10 cm Höhe. Erst im dritten Jahr wird eine Höhe von 30 cm erreicht. Dies gilt für nährstoffarme Substrate, denn nur dort wächst die Pflanze in der Natur. Als Fazit ist die Art zur Regeneration und Vermehrung auf lückige Wiesen mit wenigstens zwei Jahre bestehenden Offenstellen angewiesen. Diese dürfen jedoch nicht wie für Pionierarten ständig neu entstehen, sondern müssen durch Nährstoffarmut von selbst offen bleiben, da die Jungpflanzen auch keine Störung vertragen. Etablierte Altpflanzen können sich auch unter nicht optimalen Bedingungen lange halten. Diese Beobachtungen decken sich mit den vorher genannten Mustern.
In Hessen wird dies durch regelmäßige, späte Mahd der Standorte erreicht. Wir versuchen auf unseren Wiesen zusätzlich das Entfernen der Bodenstreu, um einen lückigen Bewuchs zu erhalten. Fette Teilbereiche sind auch geplant früher und zweischürig zu mähen. Zusätzlich wird an geeigneten Standorten neu angelegter Stromtalwiesen (nährstoffarme und nasse Abschiebeflächen) aus der Erhaltungskultur eingesät. Meinem Gefühl nach lässt sich bei uns nur so ein nachhaltiger Erfolg erzielen, sollten sich Pflanzen etablieren.

Schneckenfraß tritt im Freiland (Gartenkultur) durchaus regelmäßig auf, teilweise wurde bis ins Herz abgefressen. Die Pflanzen regenerieren bei entsprechender Größe durch Seitensprosse sehr schnell und gut und blühen als wäre nichts gewesen. Fraß-Schäden traten hier allerdings nur zur Zeit des ersten Austriebes auf, dann war die übrige Vegetation gut ausgebildet und ebenfalls "attraktiv." Im Gewächshaus sollte man vor allem die winzigen Keimlinge vor Schnecken schützen.

Herzliche Grüße!
Axel Schönhofer

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#7 17.02.2016 23:51

ThBudich
Mitglied
Ort: Lübben-Spreewald
Registriert: 17.07.2014
Webseite

Re: Wiederansiedlung

Naturgarten Hotzenwald schrieb:

Sorry - letztes Vorkommen im Hotzenwald. Es gibt ja noch das in Salzkotten in Westfallen.

Guten Tag!

Bei einigen Kontakten hatte ich den Eindruck das offizielle Stellen nur untereinander agieren und den Mangel/das Aussterben/ als ego-fördernd und Existenzberechtigung pflegen.
Zudem es ebenso eher um Geld als um Arterhaltung geht. Laien und private Erhaltungs"Gärtner" scheinen "dort" eher als "untere Kaste" betrachtet zu werden.

Die einen kümmern sich um lebende Pflanzen, andere haben einen Titel und "zählen" das Genom...

MfG


--
Mit freundlichen Grüßen, Thomas B.

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